Was ist der Unterschied zwischen einer LRS und einer Legasthenie?


Unterschied zwischen LRS und Legasthenie

Was ist der Unterschied zwischen einer LRS und einer Legasthenie?  Warum sagt die Lehrerin meines Kindes, dass es keine Legasthenie gibt? Dies sind Fragen, die in unserer Beratungspraxis häufig von Eltern gestellt werden. Doch der Reihe nach:

Ärztliche Diagnosen unterliegen genauen Richtlinien, die mit ihrem jeweiligen Diagnoseschlüssel in der ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) international festgelegt sind. Dort ist die Lese- und Rechtschreibstörung (LRS) unter dem Oberbegriff „umschriebene Entwicklungsstörung schulischer Fertigkeiten“ zu finden. Die Definition der ICD-10 besagt, dass die Schwierigkeiten im Schriftspracherwerb nicht auf mangelnde Übung oder Beschulung, auf Krankheiten, Verletzungen oder mangelnde Intelligenz zurückgeführt werden können. Der Begriff „umschrieben“ bedeutet, dass es sich nicht um eine allgemeine Lernschwäche handelt, sondern eng auf bestimmte Bereiche (hier: Lesen und Schreiben) begrenzt ist.

Daraus ergibt sich, dass nicht alle Probleme im Lesen und Schreiben zwangsläufig als Legasthenie zu bezeichnen sind. Vielmehr bedarf es dazu einer umfassenden Diagnose. In der Praxis muss daher zusätzlich zur Überprüfung der Rechtschreib- und Leseleistung auch ein Intelligenztest durchgeführt werden. Zeigt sich, dass die Lese-/Rechtschreibleistung deutlich von der Gesamtbegabung abweicht, spricht man von einer Legasthenie bzw. Lese- und/oder Rechtschreibstörung (Diskrepanzkriterium). Dieses Diskrepanzkriterium ist nicht unumstritten.

Im pädagogischen/schulischen Kontext steht die Abkürzung LRS hingegen für Lese-Rechtschreibschwierigkeit (LRS). Dazu gehören alle Kinder, die über einen längeren Zeitraum Schwierigkeiten im Lesen und/oder Schreiben haben. Eine Überprüfung der Begabungsvoraussetzung eines Kindes, neurologische oder pädaudiologische Tests sind also nicht notwendig. Wie im schulischen Kontext mit diesen Kindern umgegangen wird, ist in NRW im Erlass „Förderung von Schülerinnen und Schülern bei besonderen Schwierigkeiten im Erlernen des Lesens und Rechtschreibens (LRS)“ (RdErl. d. Kultusministeriums v. 19. 7. 1991, LRS-Erlass ) geregelt.

Der Grund für Missverständnisse bei der Abkürzung LRS liegt demnach darin begründet, ob das „S“ für im engeren Sinne für „Störung oder „Schwäche“ oder im weiteren Sinne für „Schwierigkeit“ steht.

In jedem Fall gilt, dass – ungeachtet der Begrifflichkeiten – jedes Kind Anspruch auf Förderung hat. Wie diese am besten aussieht ist vom Lernstand, der Fehlerart und Fehlerhäufigkeit des Kindes abhängig. Bei einigen Kindern sind häusliches Üben, schulischer Förderunterricht oder Nachhilfe das Mittel der Wahl, um die Leistungen zu verbessern. Bei anderen Kindern hingegen führen diese Maßnahmen jedoch nicht zu dem gewünschten Erfolg, sondern es bedarf einer spezifischen LRS-Therapie.

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