Vokabeln lernen für LRS-Kinder

In unserem letzten Beitrag „Vokabeln lernen – mit Erfolg und weniger Stress“ haben wir gesehen, wie Vokabeln mit weniger Stress und dafür nachhaltiger gelernt werden können. Diese Tipps lassen sich für Kinder mit einer LRS ebenso anwenden. Es ist jedoch unbestritten, dass Kinder mit einer Lese-Rechtschreibschwäche in den meisten Fällen zusätzliche Unterstützung beim Fremdsprachenerwerb benötigen. Daher schauen wir uns zunächst einmal an, welche Probleme beispielsweise beim Englischlernen auftreten können. Im zweiten Schritt stellen wir Ihnen dann Tipps vor, wie das Vokabellernen besser gelingen kann.

Was Kindern mit einer LRS Schwierigkeiten bereitet

Kinder mit einer Lese-Rechtschreibschwäche machen häufig folgende Fehler:

  • Sie verdrehen die Reihenfolge der Buchstaben im Wort.
  • Sie unterscheiden einzelne Laute nicht eindeutig voneinander.
  • Ähnliche klingende Laute und ähnliche klingende (oder aussehende)  Wörter werden vertauscht.
  • Ihr Lesetempo und -verständnis ist oftmals verlangsamt.
  • Sie machen zusätzlich häufig Fehler im Regelbereich (Grammatik).

Warum Englischlernen oft eine besondere Herausforderung für Kinder mit einer LRS ist

Gerade bei einer nicht lautgetreuen Sprache wie dem Englischen können die oben benannten Schwierigkeiten zu besonderen Herausforderungen führen. Nicht lautgetreu meint, dass viele Wörter im Englischen ganz anders geschrieben als ausgesprochen werden.

Frau Ursula Dorsch erläutert in dem empfehlenswerten  Informationsheft „Englisch-Ratgeber zum Fremdsprachenerwerb“ des Bundesverbandes für Legasthenie und Dyskalkulie (BVL), welche Schwierigkeiten insbesondere die englische Sprache mit sich bringt.

In der englischen Sprache gibt es besonders viele verschiedene Buchstaben-Laut-Zuordnungen. Ein und derselbe Buchstabe wird einmal so, in einem anderen Wort völlig anders ausgesprochen. Deutlich wird das daran, dass das englische Alphabet 26 Buchstaben umfasst, diese jedoch insgesamt 44 unterschiedlichen Lauten zugeordnet werden.

Gerade für Kinder, die ohnehin Schwierigkeiten damit haben, ähnlich klingende Laute zu unterscheiden, stellt das eine große Herausforderung dar. Die Unterscheidungsprobleme beim Gehörten führen dazu, dass die Kinder dem Unterricht nicht vollständig folgen können, da sie noch über die Bedeutung eines Wortes nachdenken müssen. Dabei verlieren sie häufig den Anschluss an den Unterricht und kommen in der Folge noch weniger mit. Zur Veranschaulichung dieser Problematik dienen z.B. folgende Wörter: know (wissen) und no (nein) werden identisch ausgesprochen, haben aber völlig unterschiedliche Bedeutungen; so auch knight (Ritter) und night (Nacht) oder wear (tragen), where (wo?) und were ((sie) waren).

Auch beim Lesen können Unterscheidungsprobleme auftreten. Gerade die korrekte Übersetzung bei ähnlich aussehenden Wörtern (z.B. sea und see) gelingt LRS-Kindern nicht immer fehlerfrei.

Wie das Vokabeln lernen LRS-Kindern gelingt

Diese kurzen Ausführungen machen bereits deutlich, dass das Erlernen einer (nicht lautgetreuen) Fremdsprache viele LRS-Kinder vor erhebliche Herausforderungen stellt. Was nicht heißt, dass nicht auch sie erfolgreich Englisch oder Französisch lernen können! Sie brauchen hierfür jedoch andere Hilfestellungen.

Nun aber zurück zu unserer Ausgangsfrage: Wie gelingt Kindern mit einer LRS das Vokabellernen?

Der Tipp aus unserem ersten Beitrag zum Thema hat auch hier Gültigkeit:

  • Den Umfang begrenzen und Abwechslung schaffen.
    Zwischen zwei Vokabelblöcken sollten andere Aufgaben oder ein Pause eingelegt werden. Auch sollte die Anzahl der gelernten Wörter bei LRS-Kindern begrenzt werden, da ihre Gedächtniskapazitäten schneller erschöpft sind. Wie viele Vokabeln Ihr Kind tatsächlich am Tag erfolgreich und möglichst nachhaltig lernen kann, sollten Sie Schritt für Schritt gemeinsam ausprobieren.
  • Ohne Wiederholung ist alles nichts: Um die Vokabeln auch langfristig verfügbar zu haben, müssen sie im Langzeitgedächtnis verankert werden. Das funktioniert nur über Wiederholungen. Auch hier sollten nicht alle Vokabeln auf einmal wiederholt werden, sondern in kleinere überschaubare Päckchen verteilt werden.

Folgende Tipps haben sich aus unserer Erfahrung bewährt:

  • Als besonders hilfreich hat sich die Arbeit mit dem Karteikasten erwiesen. Sie benötigen dafür Karteikarten im DIN-A7-Format, 5 Karteikartenreiter zur Abtrennung der Karten sowie einen Karteikasten in der entsprechenden Größe.
    Jede neue Vokabel wird von Ihrem Kind auf eine Karteikarte geschrieben und darunter auch direkt die richtige Aussprache vermerkt. Diese muss im Englischen schließlich auch gelernt werden. Auch Redewendungen mit der jeweiligen Vokabel können hier vermerkt werden. Auf der Rückseite der Karteikarte steht dann die deutsche Übersetzung. Die neuen Vokabeln werden im ersten Fach des Karteikastens abgelegt.
    Ihr Kind liest sich die Vokabel auf der Vorderseite laut vor, nennt im Geiste die deutsche Übersetzung und kontrolliert diese auf der Rückseite. Wenn eine Vokabel „sitzt“, wird die Karte in das zweite Fach gesteckt. Ihr Kind prägt sich so jeden Tag ca. zehn neue Vokabeln ein.
    Nach ca. 2-3 Tagen werden neben den neu zu lernenden Vokabeln auch alle Vokabeln aus dem zweiten Fach wiederholt. Die Vokabeln, die keine Probleme bereiten, werden in das nächste (dritte) Fach gesteckt. Vokabeln, die noch Probleme bereiten, wandern zurück ins erste Fach.
    Am besten erstellen Sie mit Ihrem Kind gemeinsam einen Zeitplan, wann welches Fach bearbeitet wird. In der Regel haben sich folgende Zeitabstände bewährt: Fach 1: täglich, Fach 2: nach 2-3 Tagen, Fach 3: nach etwa 10 Tagen, Fach 4: nach einem Monat, Fach 5: nach drei Monaten.
  • Strukturen unterstützen das Lernen. So hilft es Kindern mit einer LRS, ähnlich klingende und aussehende Wörter geordnet zu lernen (fineminenineshine – …). Wenn die Wörter ohnehin auf Karteikarten vorliegen, können sie auch gleich nach diesem System sortiert und gelernt werden.
  • Vielen Kindern mit einer LRS fällt das Erlernen der Lautschrift sehr schwer, da die Symbole der Lautschrift sehr ähnlich aussehen und sich nur durch kleine Punkte oder Striche voneinander unterscheiden. Sollte das auch bei Ihrem Kind der Fall sein, benötigt es besondere Hilfe beim Erlernen der richtigen Aussprache. Deutliches, langsames Vorlesen hat sich hier bewährt. Auch das gemeinsame Lesen oder Vokabeln „im Chor“ sprechen bringt Erfolge.

Ich hoffe, dieser Beitrag konnte Ihnen einen ersten Einblick in das Thema „LRS und Englischlernen“ und Hilfestellungen zum Ausprobieren vermitteln. Nutzen Sie gerne die Kommentarfunktion, um Ihre eigenen Tipps und Erfahrungen mit anderen Eltern zu teilen.

An dieser Stelle folgen in loser Reihung weitere Beiträge rund um das Thema LRS und Fremdsprachenerwerb.

Für heute grüßt herzlich

Ihre Jennifer Bubolz

 

Zum Weiterlesen:

Englisch. Ratgeber zum Fremdsprachenerwerb am Beispiel Englisch. Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V. Zu beziehen unter: https://www.bvl-legasthenie.de/shop-bvl/produkt/bvl-ratgeber-fremdsprachenerwerb-englisch.html

 

 

 

 

 

 

 

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